Sterbebegleitung

Für die Menschen:

„Nicht den Tod solltest du fürchten, sondern dein Leben nicht gelebt zu haben.“

Marc Aurel

Sterbebegleitung – ebenfalls ein hochsensibles Thema. Viele Anrufe erhalte ich, weil die Menschen wissen möchten, ob ihr Tier eingeschläfert werden möchte oder nicht. Natürlich ist es eine große Verantwortung und ich gehe sie sehr achtsam an.

Und auch hier möchte ich kein Schwarz/Weiss-Denken fördern! Wo ein Dogma aufgestellt wird, pralle ich zurück – es ist nicht grundsätzlich „richtig“ oder „falsch“, einzuschläfern oder eben nicht. Wobei hier an dieser Stelle eher aufgeklärt werden soll über die Möglichkeiten, den Weg ohne Spritze zu gehen.

Die Menschen sind häufig im Unklaren, was sie tun sollen in diesen Phasen, und wie sie es „richtig“ machen können. Sie werden verwirrt in ihren Gefühlen von Menschen in ihrem Umfeld, manchmal auch von Tierarzt/Tierärztin.
Wenn wir mit ihnen und dem Tier zusammen zur Klarheit finden, ist das für alle Beteiligten eine große Erleichterung.

Seit Anfang 2015 biete ich daher Kurse zur Sterbebegleitung an, offen für alle Tiermenschen, ein vorheriger Tierkommunikationskurs ist keine Voraussetzung (bei Interesse bitte mail an karina@tiergefuehle.de).

Viele Menschen sind geprägt von der so oft gehörten wiederholten Aussage „Tiere müssen erlöst werden von ihrem Leid“. Wenn es aber gar kein Leid ist, sondern der natürliche Sterbe-Prozess, so, wie wir Menschen ihn auch erleben?? Bei einem Menschen handeln – idealerweise – die Angehörigen, indem sie das Nötige tun und so ruhig wie möglich begleiten und pflegen.  Ebenso können wir es bei den Tieren auch tun – Altenpflege halt. Als Dank für ihre Liebe, ihre Begleitung über oft viele Jahre, und ihre Treue. Ständige Anwesenheit ist oft nicht nötig, manchmal auch nicht gewünscht vom Tier. Sie haben oft ein ausgeprägtes Ruhebedürfnis und dafür sollte gesorgt sein.

Der übliche Tagesablauf kann und soll weitergehen, so normal wie möglich, das gibt den Tieren Sicherheit und den betreuenden Menschen ebenfalls in dieser für sie oft schwierigeren Situation als für das Tier.

Dazu kommt, dass die Tiere die menschliche Angst vor dem Tod nicht kennen. Insofern „leiden“ sie aus diesem Grunde nicht, auch wenn sie durchaus ein Bewusstsein darüber haben, dass sie sterben werden, was sie nicht ängstigt. Sie nehmen den Tod voller Hochachtung als Erfüllung des Lebenssinns an.

Oft – nicht immer! – möchten sie nicht, dass der natürliche Ablauf des Sterbens abgebrochen wird durch Einschläfern. Es ist – wie so oft – immer individuell zu entscheiden, und nicht pauschal.

Auch ich war früher – vor der Tierkommunikation – von der Aussage „Tiere kann man erlösen, Menschen nicht“ beeinflusst und habe eine Hündin und einen Kater einschläfern lassen. Heute weiss ich, dass sie mit ein wenig Pflege, Medikamenten und naturheilkundlicher Unterstützung diesen Gang sehr gut und natürlich hätten alleine gehen  können und wollen.

Vergangenes Verhalten, vergangene Fehler dürfen aber kein Grund für mich sein, mich dem Thema zu verweigern oder es nicht aus der anderen Sichtweise zu beleuchten. Nicht mehr und nicht weniger möchte ich anregen.

Ich bin dankbar, dass ich neue Einsichten gewinnen durfte.

Natürlich muss, falls nötig, eine Schmerz-Therapie gemacht werden, das ist keine Frage, und wenn weder Naturheilkunde noch Schulmedizin sehr starke Schmerzen erträglich machen können, sollte ein Einschläfern ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Sehr viel kann  getan werden (wie bei Menschen), dass ein Sterben ohne Spritze ermöglicht wird.

Auch die akute Gefahr des Erstickens ist ein guter Grund, es nicht so weit kommen zu lassen und ggf. tierärztliche Sterbehilfe  in Anspruch zu nehmen. Es gibt einige andere Gründe, warum ein Einschläfern nötig sein kann. Und natürlich gibt es Menschen, die eine Sterbebegleitung nicht leisten können – oder glauben, sie können es nicht. Dann ist  intensive tierkommunikatorische Unterstützung sehr hilfreich, und wenn sie es dann doch schaffen, ihr Tier auf natürlichem Weg in den Tod zu begleiten, ist es eine unvergessliche und bereichernde Erfahrung.

Es ist ein sorgfältiges Erspüren seitens der Tierkommunikatorin nötig, was Tier UND Mensch an Sterbearbeit leisten können. Kein Tier möchte am Ende seines Lebens einen völlig überforderten Menschen zurücklassen. Und kein Tier möchte Schuldgefühle verursachen, weil es eingeschläfert werden soll oder wurde. Das sollte auf jeden Fall an dieser Stelle erwähnt werden! Diese Schuldgefühle jedoch, die bei manchen Menschen aufkommen, wenn eingeschläfert wurde, habe ich in fast 15 Jahren Tätigkeit als Tierkommunikatorin nach einer Sterbebegleitung ohne Einschläfern noch nicht erlebt.

Das Leid – oft ist es das der Menschen, die ihr Tier in diesem Zustand des Schwächerwerdens, des Rückzuges, nicht sehen können, und bereits vorweg trauern. Dabei birgt gerade diese Zeit die Chance zu sehr viel Innigkeit, Kommunikation, Gefühlsaustausch … Ich möchte den Tieren durch meine Übersetzung helfen,  dass ihre Menschen diese Geschenke wahrnehmen können durch ihren Kummer und ihre Sorgen hindurch – beides können die Tiere selbst am besten in ein gesundes Gleichgewicht bringen.

Oft sagen Menschen, die die Sterbebegleitung manchmal in einigen Tagen, manchmal über einige Wochen hinweg bei ihrem Tier geleistet haben, dass sie nach seinem Tod natürlich trauern, aber es schenkt ihnen sehr viel Trost, dass sie diese gemeinsame intensive Zeit  noch miteinander hatten. Diese Erfahrungen, die diejenigen, die zurückbleiben, in dieser tief innigen Zeit machen, gerade in den Momenten, wenn die Seele den Körper aus eigenem Entschluss verlässt, ist sehr sehr tröstlich in den Wochen und Monaten danach, in der Trauer.

Mein Ziel ist es zu erreichen, dass die Menschen selbst fühlen, für welchen Weg ihr Tier sich  entschieden hat. Das kann durch keine „Übersetzung“ einer Tierkommunikatorin ersetzt werden – dass man es selbst erlebt, fühlt.

Ich stehe bei Sterbe-Begleitungen Tag und Nacht zur Verfügung – das ist selbstverständlich.

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Tierkommunikation - Alle Artikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten auf Sterbebegleitung

  1. Simone sagt:

    Liebe Karina, vielen Dank! Du sprichst mir mit dem Artikel aus dem Herzen! Ja, wir können das Leiden unserer Tiere beenden, sollten uns aber unbedingt sicher sein, dass das Tier selbst es als Leiden empfindet und nicht egoistisch handeln.
    Ich hatte das grosse Glück, 14 Jahre lang mit unserem Kaukasen Rüden, Eyck, verbringen zu dürfen und ihm auch seinen letzten grossen Wunsch erfüllen zu können: Selbst und von allein zu gehen, als die Zeit dafür gekommen war.
    Eyck war/ist eine grosse, erfahrene Seele und als ich während der letzten Wochen einmal neben ihm sass und anfing zu weinen, sagte er die sehr weisen Worte:

    ‚Heule nicht, ich bin nicht krank, ich sterbe nur!‘

    Immer wieder muss ich an diese Worte denken. So sehen die Tiere also das Sterben. Als einen natürlichen, bekannten weiteren Verlauf des Lebens. Sie haben keine Angst davor und wissen, dass es geschieht.
    Glücklicherweise erzählte mir eine liebe Tierschutzfreundin einige Monate vor dem Abschied von meinem Grossen von der Tierkommunikation und vermittelte mir den Kontakt zu Karina. Das ermöglichte mir, teilweise im direkten Dialog mit Eyck (der nicht immer verbal erfolgte) und teilweise mit Karinas starker Hilfe, mich nach seinem Befinden zu erkundigen, seine Wünsche zu erfahren und ihn so mit Ruhe und Würde an die Pforte zum Licht zu begleiten. Er war ein ganz Grosser, ein starker Charakter, der immer selbst bestimmt hier mit uns gelebt hat und so auch gehen wollte. Eyck war ein wunderbarer Lehrer und ich bin unendlich dankbar für diese Partnerschaft.
    Liebe Tierfreunde, es war eine, vielleicht sogar die grösste Erfahrung meines bisherigen Lebens! Diese Erfahrung brachte mich meinem Eyck noch näher und rundete unsere gemeinsame Zeit auf wunderbare Weise ab. Auch jetzt, wo er physisch nicht mehr bei uns ist, sind wir uns sehr nahe und in der einen oder anderen Tierkommunikation erleben wir wunderbare Momente zusammen.
    Darf ich an dieser Stelle noch einen Tipp los werden? Wenn Ihr spürt, dass der Übergang Eures Gefährten nicht mehr weit weg ist, dann setzt Euch in einem ruhigen Augenblick zu ihm und sagt ihm aufrichtig (!), dass er frei ist zu gehen, wenn er spürt, dass die Zeit dafür gekommen ist. Bitte sagt ihm, dass es für Euch unendlich traurig sein wird, Ihr es aber versteht und akzeptiert und nur das Beste für Euren tierischen Lebensbegleiter wünscht. Bitte zwingt ihn nicht, länger zu bleiben, als gut für ihn ist, nur weil Ihr es nicht ertragen könnt, ohne ihn zu sein.
    Vielen Dank und 1000 Dank, Karina, für Deine Unterstützung und Beistand!

  2. karina sagt:

    Simone, euch beiden gebührt nun wirklich der Dank, es war eine wunderbare gemeinschaftliche Begleitung zwischen ihm, dir und mir, die so nur möglich war mit viel Vertrauen – ihr beide habt diesen Weg ganz großartig gemeistert!

    Ihr habt die körperlichen und emotionalen extremen Höhen und Tiefen mit viel Kraft und Würde zusammen durchgestanden.

    Dieser Prozess ist für die begleitenden Menschen oft anstrengender, herausfordernder als für die Tiere, die meist schlicht ihre „Sterbe-Arbeit“ machen …
    Wie lange dieser Weg dauert … alles zwischen einem Tag und VIELEN Tagen ist möglich …

    Was nicht bedeutet, dass mensch ununterbrochen beim Tier sein muss. Im Gegenteil … wir müssen ihnen immer wieder Gelegenheit geben, in unserer Abwesenheit den letzten Abschnitt einzuläuten. Manchmal wird genau das von ihnen abgewartet (wie bei Menschen häufig auch!) Und das bedeutet nicht, dass wir sie „stören“. Es fällt einigen Tieren jedoch leichter zu gehen, wenn sie auch physisch Abstand haben. Das wohlbekannte Loslassen können …

  3. Doro sagt:

    Ein wirklich sensibles und schwieriges Thema das viel Herz, Verstand und Mut erfordert. Wenn es bei einem unserer beiden Schnuffels so weit sein sollte, werde ich ziemlich sicher, Deine Hilfe brauchen und in Anspruch nehmen – schön dass Du Dich da uneingeschränkt zur Verfügung stellst. Danke dafür und für Deinen Mut das in dieser offenen Weise zu publizieren.

  4. Doro sagt:

    Karina: angestoßen durch das Lesen deines Artikels hab ich noch viel darüber nachgedacht und bin auf Fragen gestoßen. Gibt es nicht auch die Gefahr Tiere in einem unzumutbaren Leid zu lassen weil man die Verantwortung über diese (Todes-)Entscheidung nicht übernehmen kann oder will. Und das dann unterbewußt auf das Tier zu projizieren? Praktisch es zur Entscheidung des Tieres zu machen, daß es ohne Hilfe da durchgehen will? Ist das zu spitzfindig gedacht oder ist es nicht eher ein menschlicher Mechanismus dem wir alle in einer solchen schwierigen Situation unterliegen können? Wie sieht es da bei Euch Tierkommunikatoren aus? Ich finde es wirklich sehr schwierig!

  5. karina sagt:

    Natürlich besteht immer die Gefahr, eigene Vorstellungen, Einstellungen auf ein Tier zu projizieren, das siehst du völlig richtig, Doro. Gerade das ist eines der Hauptthemen in der Tierkommunikation – die Eigenprojektion so weit nur irgend möglich beiseite lassen. Deswegen ist es in der Tierkommunikation von immenser Bedeutung, das Ego zurückzustellen, sich „leer“ zu machen, alle Absichten und Ziele weglassen. Und damit den Raum für JEDE Entscheidung des Tieres offen zu lassen.

    Das sollte in jedem Bereich der Tierkommunikation der Fall sein, nicht nur in der Sterbebegleitung, auch wenn es da von nochmal größerer Tragweite ist.

    Es ist nach meinen jetzt bereits langjährigen Erfahrungen jedoch weit öfter der Fall, dass Menschen einschläfern lassen, im guten Glauben, dass es ein „Erlösen“ ist, und das Tier hätte es vorgezogen, selbst zu gehen, als dass Menschen sich scheuen, diese Entscheidung zu treffen, falls sie denn tatsächlich nötig ist.

  6. Moki sagt:

    Hallo Karina,

    auch hier nochmal ein ganz großes Danke an Dich, Du warst zu jeder Tages und Nachtzeit für uns und unseren Charly da und hast uns zur Seite gestanden. Charly ging seinen Weg am 22. Januar 2012 im Alter von 14 Jahren zu Ende und hat es ganz alleine geschafft. Für mich als Mensch gab es Momente in denen ich dachte, jetzt holst du den TA, aber es war sein Wunsch ohne Hilfe zu gehen und diesen letzten Wunsch wollten und haben wir ihm erfüllt. Du warst mir und auch Bea eine große Stütze in diesen Tagen und Stunden.

    Es ist schön, solche Freunde an seiner Seite zu haben.

    LG Moki

  7. karina sagt:

    Danke Moki!

    Ihr seid diejenigen, die „Sir Charles“ ermöglicht haben, so zu gehen, wie er es wollte …

  8. Uschi Katscher sagt:

    Hallo Karina,

    für mich sehe ich beimThema Sterbehilfe ja/nein ein großes Problem in meinen
    eigenen Emotionen. Ich traue mir bei meinen eigenen Tierfreunden nicht zu
    herauszufinden, was er/sie wirklich möchte. Zurückblickend kann ich zwar einen
    Laut oder einen Blick einordnen/deuten. In der Situation erfasse ich die Signale aber
    nicht richtig und kann mich auch nicht auf mein Gefühl verlassen.

    Wenn ich wieder vor der Frage stehen Sterbehilfe oder lieber Sterbebegleitung
    möchte ich gern deine Hilfe in Anspruch nehmen. Ich traue mir zu meine Tierfreunde zu begleiten. Aber herausfinden was sie möchten, das bekomme ich sicher allein
    nicht hin.

    Liebe Grüße

    Uschi

  9. karina sagt:

    Liebe Uschi, meistens spüren die Menschen sehr gut, was ihre Tiere in dieser Phase des Lebens brauchen und möchten, und ich glaube, das wird bei dir nicht anders sein. Diesen Gefühlen zu vertrauen, ist in dieser Situation natürlich nicht leicht, und ich helfe gerne dabei, die Bedürfnisse des Tieres wahrzunehmen …

  10. karina sagt:

    Gerade kommt bei mir im Kundenkreis wieder einmal das Thema Schuldgefühle nach dem Tod eines Tieres auf.

    Vertrauen in den Schicksalsplan kann diese Selbstvorwürfe verhindern. Ganz abgesehen davon, dass die Tiere definitiv nicht möchten, dass wir uns mit Schuldgefühlen belasten.

    Es ist oft schwer, dies den Menschen, die in der Trauerphase sind, zu versichern, in „Zusammenarbeit“ mit dem Tier findet man jedoch meist die richtigen Worte.

    Von den Tieren habe ich gelernt, dass eine Seelenverbindung niemals gekappt werden kann, sie bleibt immer bestehen.

  11. Jennie sagt:

    Wir sterben alle, ausnahmslos. Und niemand ist schuld .

  12. karina sagt:

    Wahre Worte, Jennie. In zwei kurzen Sätzen das Wesentliche gesagt!

  13. nicole schaffner sagt:

    Liebe Karina
    Djahut in den Phasen des sterbens zu begleiten hat mich unendlich bereichert. Ihm diesen Raum zu geben, ihn als eigenständiges Individuum zu respektieren hat mich in meinem DA sein sehr bestärkt. Immer wieder zu erkennen wie liebevollst er mich an meine Grenzen geführt hat damit auch ich frei werden kann von meiner Begrenzung lässt mich demütig zurück. Als ich ihn fragte wie es den aussieht wo er hingeht, sagte er „ich gehe nirgends hin, ich löse lediglich die Begrenzung auf“. Dies und das Lächeln auf seinem Gesicht, als er leichtfüssig und innerlich aufgerichtet seinen Körper ablegte, erfüllen mich, begleiten mich und lassen so die traurigen Momente in einem ganz anderen Licht erscheinen. Dein DA sein liebe Karina hat vor allem mir und damit auch Djahut das umsegeln der sehr heiklen Stellen enorm erleichtert. Es erfüllt mich diese Erfahrung, kurz vor Djahut’s ableben kamen wir zum ersten mal in Kontakt, ohne uns persönlich zu kennen, sassen wir im selben Boot im Windschatten der Liebe. Ein Geschenk, DANKE!
    Im Herzen Nicole

  14. karina sagt:

    Immer wieder verzweifeln Menschen daran, dass Tiere nicht mehr essen können oder wollen in ihren letzten Tagen oder Wochen.

    Natürlich – es gehört zum Prozess dazu. Essen ist in diesem Zustand eine Belastung für den Körper, die notwendige Verstoffwechslung raubt viel Kraft und gibt sie nicht. Die Organe befinden sich auf dem Rückzug und können Essen nicht mehr verwerten, es belastet nur und stärkt nicht mehr.

    Es ist dieses Gefühl von „Er/sie muss doch was essen“ … Verständlich, das ist unser „Fürsorge-Instinkt“.

    Ich erinnere die Menschen manchmal an diesen Zustand, den alle kennen: Man ist krank, der Körper signalisiert „bitte nichts zu mir nehmen“ und schon der Gedanke an Essen ist zuwider. Wenn dann jemand mit einer mit Brei gefüllten Spritze kommt und damit das Essen in uns hineinzwingen würde – wie wäre uns zumute??

    Für viele Menschen ist die Nahrungsweigerung das Zeichen, dass sie einschläfern müssen. Sie vermuten, das Tier leidet, weil es nicht mehr essen möchte und fühlen sich sehr hilflos. Dieses Lösen vom irdischen Körper in Form von Essensablehnung ist jedoch eine gute Entscheidung von Körper, Geist und Seele – und die einzig mögliche.

    Wie ich mehrfach sagte: Es gibt manchmal gute Gründe, einzuschläfern. Nahrungsverweigerung ist keiner davon.

  15. karina sagt:

    Eine weitere Herausforderung im Sterbeprozess: es kommt der Zeitpunkt, an dem der Mensch nichts mehr tun kann und vor allem nicht SOLL. Nur noch begleiten, nur noch dabei sein, selbst das nur in Intervallen. Die Tiere in ihrem Prozess brauchen immer wieder die Chance zur Entscheidung, ob sie in der Anwesenheit ihrer Menschen gehen möchten oder in ihrer Abwesenheit.

    Das ist der Zeitpunkt, an dem viele Menschen dann die Entscheidung zum Einschläfern treffen – um IRGENDETWAS tun zu können. Oder zum Tierarzt gehen in der Hoffnung, dass dort noch Lebensverlängerung ermöglicht werden kann. Es gibt jedoch nichts mehr zu aktiv zu tun, wenn das Leben des irdischen Körpers zu Ende geht. Gerade dann ist Rückzug oft das Einzige, was das Tier noch möchte.

    Das „Nichtstun“ ist schwer für Menschen in diesen letzten Stunden. Kein Aktionismus, keine Medikamente mehr, kein Füttern und Tränken mehr, keine Fürsorge mehr, um den Zeitpunkt hinauszuschieben. Nur noch Fühlen. Und eine Atmosphäre der Ruhe schaffen, so gut es möglich ist. Vor allem in sich selbst.

    Unsere Prägungen, unsere gesellschaftlichen Konditionierungen, unsere hektischen Lebensumstände machen uns dies häufig schwer. Wenn wir es dennoch schaffen, in Frieden mit der Situation zu sein, haben die Tiere wieder einmal das erreicht, was sie als eine ihrer Aufgaben empfinden: Uns einen Schubs zu geben, der uns wieder einen weiteren Schritt zur eigenen Entwicklung beschert.

  16. Angelika sagt:

    Beim Thema Sterbebegleitung, Einschläfern etc. fällt mir immer wieder der weise Satz meine Kaninchens Emil ein, der kurz vor seinem Tod zu Karina sagte: „Der natürliche Sterbeprozess ist wie eine natürliche Geburt. Einschläfern ist wie ein Kaiserschnitt.“

  17. karina sagt:

    Ja, so sagte der kluge Kaninchenherr … Die Übermittlung des Gefühls von ihm konnte ich nur mit „Kaiserschnitt“ übersetzen … Das traf es am besten.

  18. karina sagt:

    Jetzt, nach über einem Jahr, sollte ich darüber schreiben, meint Samahn:

    Samahn

    Im September 2014 verliess mein Freund Samahn seine irdische Form als wunderschönes Pferd. Er hinterliess mir viel.

    In seinen letzten Tagen, als absolut klar wurde, dass er immer schwächer und gehen wird, war da nichts von einem Pferd, das mit hängendem Kopf da steht. Im Gegenteil, er hat GESTRAHLT. Er war voller Vorfreude auf die andere Seite, er, der auch in seinem 27jährigen irdischen Leben immer ein Sternenpferd war. Dieses Strahlen war mir bei allem Kummer im Wissen über das, was kommen wird, ein großer Trost. Damit hat er vielen anderen Tiermenschen, mit denen ich in Kontakt komme aufgrund Sterbebegleitungen, ebenfalls viel hinterlassen. Dass dank unser beider gemeinsamer Erfahrung diese Freude auf „die eigentliche Heimat“ von ihnen wahrgenommen wird und auch sie tröstet in dieser Zeit, hat er schon erreicht …

    Wenn ich ihn fragte, ob er eingeschläfert werden möchte, kam stets die Antwort „Oh nein!“. Es ging ihm schließlich gut. Er, der immer ein eher ernsthaftes Pferd war, wurde fast fröhlich, obwohl er körperlich sehr sehr schnell abbaute, rapide abnahm trotz großer Portionen Zusatzfutter und reichlich Gras. Sein Körper verwertete es nicht mehr.

    Bei Pferden jedoch kommt es nicht selten anders. Sie haben das starke Herz, das für ein Überleben in der Wildnis notwendig ist als Beutetier. Dieses Herz schlägt oft auch dann weiter, wenn alle anderen Organe auf dem Rückzug sind oder ihre Funktion bereits einstellen.

    In der Natur findet sich bei einem schwächer werdenden Beutetier immer ein Raubtier, das einen gnädigen Tod herbeiführt.

    Samahn bekam in seiner letzten Nacht dann tatsächlich eine Nierenkolik – das Herz schlug weiter, obwohl die Organe einschließlich der Nieren kaum noch bzw. teilweise nicht mehr arbeiteten. Er lag, konnte und wollte nicht mehr aufstehen (was bei Pferden nochmal eine ganze andere Bedeutung hat als bei Haustieren). Ein homöopathisches Mittel in der Hochpotenz nahm die schlimmsten Schmerzspitzen, aber es war für uns beide klar und er dann mehr als einverstanden, dass der Tierarzt nun doch kommt, der glücklicherweise trotz nächtlicher Stunde sehr schnell da war (bitte in einem solchen Fall immer vorher abklären, dass auch nachts schnelle Hilfe gewährleistet ist, falls nötig). In wenigen Stunden wäre er gestorben, aber diese Stunden wären sehr qualvoll gewesen. Ein gewisses Maß an körperlichem Schmerz kann dazu gehören, diese Kolikschmerzen jedoch waren zu stark.

    Nach der 2. von 5 aufgezogenen Spritzen (BITTE niemals mit T 61 einschläfern lassen!!) hauchte er bereits aus, er war sehr bereit … und flog los in der lauen Spätsommernacht … durch eine Wolkenlücke in den Mondschein hinein …

    In den Tagen und Wochen nach seinem Tod wurde mir mit seiner Hilfe nochmals etwas sehr sehr klar: Wenn ich UM IHN weinen wollte, liess er es nicht zu, liebevoll-streng unterband er das. Wenn ich mir jedoch darüber bewusst war, dass ich MEINEN Verlust beweinte, kam kein Veto von ihm, im Gegenteil, er umhüllte mich in meiner Trauer und meinen Tränen mit seiner Liebe … Er wusste, dass DIESES Weinen notwendig und gut ist.

    Ich werde mein Leben lang sehr dankbar sein dafür, dass er, der nie wirklich irdisch war, 16 Jahre lang für Pankhri und mich der beste und uneigennützigste Freund war, den wir uns nur wünschten konnten, voller Güte, und dass er so lange für uns hier auf der Erde ausgeharrt hat.

    Mein ganzes Herz sagt danke …

Schreibe einen Kommentar